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Sonntag, 21. Juni 2015

Meine Meinung

Das Blindtextchen - Anzeigen
Einstieg positiv
Mara hat einen Entschluss gefasst. Sie wird sich umbringen und zwar in genau fünf Tagen, an ihrem Geburtstag. Mara weiß auch schon genau, wie sie es machen wird. Sie nimmt Unmengen an Schmerztabletten, kombiniert diese mit einer Flasche Wodka und setzt sich dann ins Auto um sich mit den Abgasen zu ersticken. Mir hat der Einstieg in die Geschichte gut gefallen, weil Mara gleich reinen Tisch macht. Ohne große Vorreden wird dem Leser erklärt, was sie vor hat und auch warum. Ich konnte mich gleich gut in Mara und ihre Situation hineinversetzen.
Schreibstil positiv
Das Buch ist im auktorialen Erzählstil geschrieben, der Fokus liegt jedoch sehr deutlich auf Mara und Scott und deren Gefühlswelt. Ich glaube ich hätte es bei diesem Buch schöner gefunden, wenn es mit einem Ich-Erzähler geschrieben worden wäre, weil ich mich dann immer noch besser in die Protagonisten hineinversetzen kann. Bei dem auktorialen Erzählen fühle ich mich oftmals außen vor. Trotzdem hat mir der Schreibstil gut gefallen. Alle Handlungen und Dialoge wirken natürlich, sodass ich beim Lesen das Gefühl hatte, alles hätte tatsächlich so passiert sein können. Besonders gut wurde für mich Maras Verzweifelung, ihre Sorge und auch ihre Ängst rübergebracht. Mir liefen Tränen über mein Gesicht, wenn sie berichtete wie schrecklich hilflos sie sich fühlt.
Charaktere positiv
Mara und Scott sind die Protagonisten dieses Buches, die Beiden kennen sich durch ein Internetforum und kennen sich doch nicht wirklich. Mara ist dort angemeldet, weil sie Laks adoptiert hat und sich gerne mit anderen darüber austauscht, Scott hingegen hat ein Pflegekind. Beide Protagonisten haben ein "noch 5 Tage bis"-Ultimatum. Für Mara steht fest, dass sie sich in 5 Tagen umbringen wird und Scott muss in 5 Tagen sein Pflegekind wieder in die Obhut seiner leiblichen Mutter geben. Ich konnte sowohl Scott als auch Mara gut verstehen. Die Charaktere waren gut ausgearbeitet mit der nötigen Tiefe und der richtigen Portion Gefühlen. Auch die Nebenfiguren, die das Leben der beiden Protagonisten bestimmen waren absolut authentisch gezeichnet. Laks, die auch mal über ihre komisch laufende Mutter schimpft und Laurie, die sich darauf freut das Pflegekind wieder abgeben zu dürfen und sich somit auf ihr eigenes Kind konzentrieren zu können.
Verlauf positiv
Das Buch ist in 5 Abschnitte geteilt, die die 5 Tage bis zu Maras festlegten Todestag darstellen sollen. In der Zeit begleitet man nicht nur Mara durch ihren Alltag, sondern auch Scott. Ich finde es erstaunlich, dass diese Geschichte mich doch immer wieder überraschen konnte und ich tatsächlich bis zum Schluss nicht sicher war wie es ausgehen wird. Anfangs war es mir streckenweise ein bisschen zu lang, aber das legt sich schnell wieder. Die Handlung kommt in Gang und man will nur wissen, was am Ende geschehen wird.
Ende positiv
Ich weigere mich etwas zu diesem hochemotionalen Ende zu sagen, dass mir die Tränen in die Augen getrieben hat. Manchmal ist weniger mehr, das hat die Autorin dieses Buches verstanden und am Ende umgesetzt.
Bewertung
Note 1
Ich vergebe für dieses Buch die Note eins, weil es mich wirklich mitgenommen hat. Die Thematik war nicht viel anders als in anderen Sad-Lit Büchern: Es geht um einen Menschen, der an etwas erkrankt ist und dem nicht mehr viel Zeit zum Leben bleiben, egal um willentlich oder unwillentlich. Jedoch habe ich bisher noch kein Buch gelesen, dass sich mit Chorea Huntington auseinander setzt. Die Autorin hat dieses Thema mit einer so brutalen Ehrlichkeit behandelt, dass es mir oftmals nicht gelungen ist die Tränen zurückzuhalten. In dieser Geschichte hat von vorne bis hinten alles zusammen gepasst. Die Charaktere, die man nur ins Herz schließen konnte, der Schreibstil, der meine Gefühle in Wallung gebracht hat und auch der Verlauf, den ich nicht vorhersehen konnte. Alles war auf einander abgestimmt und hat meine Erwartung absolut übertroffen.
Lesempfehlung für Realitätsflüchtlinge, die "Die letzten Tage von Rabbit Hayes" gern gelesen haben.